Zu Gast bei Luzia Pimpinella Und Liebesbotschaft Und Was Das Alles Mit Kalifornien Zu Tun Hat

31 03 2015

Die liebe Nic hat mir ein paar tolle Interviewfragen gestellt, die ich sehr gerne beantwortet habe:

1.) Liebe Anette, ich bewundere Dich sehr für Deinen grandiosen Geschmack und Deinen ausgeprägten Stil in Eurem Zuhause und auch in Deinen kreativen Arbeiten.

Egal, ob man Interior-Bilder von Dir sieht, Deine fantastischen Strickereien oder auch Deine Goldschmiedekunst betrachtet...es scheint stylemäßig wie aus einem Guss!

Wie würdest Du Deinen ganz persönlichen Stil beschreiben?

Wie hast Du ihn gefunden und wie schaffst Du es, so konsequent an dieser Linie festzuhalten?

Oh Danke! Jetzt werd’ ich rot! Siehst Du das so? Das freut mich zu hören. Ich denke, es liegt am Alter (lach) und den Erfahrungen , dass sich ein gewisser Stil rauskristallisiert und auch daran, dass man vielleicht nicht mehr so viele Kompromisse eingehen muss. 

Dein Stil ist doch auch unverkennbar!

Egal was ich mache - ob ich nun die Wohnung einrichte oder ein kreatives Projekt oder Produkt entwickle - es muss mir persönlich absolut gefallen und ich entscheide das in der Regel allein und relativ spontan.

Ich mags eigentlich schlicht und funktional, aber nicht unterkühlt und immer gern mit einem gewissen Extra oder einem Augenzwinkern wie etwa die große Schlingenbommel auf meinen dicken Mützen, oder die Bäume in unserer Wohnung, Wir haben auch einen Elefanten an unserer Badezimmerwand. :)

Ich habe ja schon wahnsinnig viel ausprobieren dürfen im Laufe der Zeit und tue das auch weiterhin - sonst wird es ja langweilig - nur kann ich mir im Moment nicht vorstellen, noch mal von sanften Naturtönen auf krass Bunt oder Schwarz/Weiß umzusteigen - but never say never, right? 

Was unsere Wohnung angeht, bin ich durch die Gegebenheiten natürlich nicht so frei, wie ich mir das vielleicht wünsche.

Es ist eine tolle (Miet-)Wohnung - keine Frage - und ich bin auch noch überhaupt nicht fertig mit der Einrichtung und Deko (vieles steckt auch nach einem Jahr noch  immer in Umzugskartons), aber z.B. mag ich das gediegene Parkett nicht.

Dann die Fenster - auch sehr schön - aber durch die prominente Farbe der Rahmen sind sie schon ein ganz eigenes Statement. Und ein riesiger weinroter Flügel verfolgt mich durch unsere Wohnungen (Ich hatte gehofft, dass er von den USA NICHT mit nach Deutschland zieht, aber niemand dort wollte ihn haben, da er eben nicht schwarz ist…), oder ein Teppich, den mich meine Kinder nicht entsorgen lassen wollen u.s.w. u.s.f

Der Trick ist, solche Gegebenheiten auch als Chancen zu sehen, die zu einem individuellen Mix beitragen, denn perfekt wie im Einrichtungshaus wäre mir sowieso zu fad.

2.) Du hast eine zeitlang in Kalifornien gelebt; davon träumt ja so mancher...auch ich!

Was hast Du am "Californian way of life" besonders geliebt? Gibt es anderseits etwas "typisch deutsches", das du in Deiner Zeit dort dann doch arg vermisst hast? Und wie kommt man damit klar, wenn man sein Leben aus sunny California dann wieder zurück nach Niedersachsen verlegt?

Ich sags gleich vorweg: wir sind FREIWILLIG wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

In der Regel ruft dieses Bekenntnis bei den meisten ungläubiges Kopfschütteln hervor.

Aber wir wollten nie auswandern, sondern ein kleines Abenteuer und fast 10Jahre waren dann aus verschiedenen Gründen einfach genug. Es war perfekt, solange die Kinder klein waren. Unsere Tochter ist auch dort geboren. Wir waren immer draußen in der Natur oder natürlich am Strand. Kein lästiges Angeprummel mit zig Klamotten - einfach easy living; jeder wie er mag.

Kein Küstenkalifornier würde je denken: “ Ach wie sieht DIE denn heute wieder aus?” Oder “ Guck mal an, jetzt schon drei Autos auf dem Hof. Ob das mit rechten Dingen zu geht?”

Ja, stimmt schon - viele leben dort auf Pump und ihr Verhalten kommt uns machmal oberflächlich vor, aber sie sind in der Regel alle supernett und das macht einfach gute Laune im Alltag. Dieses lässige Leben hat mir natürlich neben dem guten Wetter besonders gut gefallen. Und die frischen Bio Produkte auf den Farmersmärkten das ganze Jahr über - die vermisse ich hier schon sehr.

Wobei man auch erwähnen muss, dass man in Santa Barbara (dem Ort in dem wir gewohnt haben) ein bisschen unter einer “Heile-Welt-Glocke” lebt. Die Gemeinde ist durch Ihre vielen wohlhabenden Bürger sehr reich und die Lebenshaltungskosten sind extrem hoch. Es gibt kaum Kriminalität, ein großes Gesundheitsbewußtsein auch im Ernährungsbereich (Raw Food, Green Smoothies ect. habe ich alles dort schon vor vielen Jahren gemacht), viel Yoga und Interesse an Alternativen Heilmethoden. Santa Barbara ist quasi "Hippie mit Geld" und repräsentiert ganz sicher nicht ganz Kalifornien.

Ohne entsprechende finanzielle Mittel ist das Leben dort nicht mehr ganz so cool.  Das soziale Gefälle zu den mexikanischen Einwanderern ist entsprechend groß.

Als unser Sohn ins Kindergartenalter kam, began unsere Suche nach einer Schule. Die sogenannten Preschools entsprachen nicht wirklich meiner Vorstellung. Meine Vorstellung war, dass mein Sohn ein paar Morgenstunden mit anderen Kindern spielend verbringt. Möglichst viel draussen mit Klettern,Toben, Singen, Malen und Kneten. Ganz normal halt - dachte ich.

Aber die Preschools sind dort oft ganz anders aufgezogen. Mit viel “Academics”. Toben und Klettern sind eh viel zu “dangerous”. 

So meldeten wir unseren Sohn in der Waldorf School an, da dies unseren Vorstellung am nächsten kam. In den USA ist die Waldorf Schule eine reine Privatschule und nicht wie hier staatlich unterstützt. Entsprechend teuer ist das Schulgeld. Die Begriffe Vorschule und Kindergarten sind in den USA also genau anders herum, als bei uns. Erst geht man in die Preschool und dann in den Kindergarten.

Unser “Problem” war natürlich nicht auf Dauer gelöst, denn bald musste er ja zum “Kindergarten”. 

Das ist also die Vorschule, die aber schon an die eigentliche Schule angegliedert ist. Der öffentlichen Schule wird man dann nach Schooldistrict zugeordnet. Die Rektorin der für uns zuständigen Schule bat uns zum Gespräch und riet uns dringend davon ab, unseren Sohn in ihrer Schule anzumelden, da der

Anteil mexikanischer Kinder 98% betrüge und die Kinder in den ersten Jahren dort erstmal überhaupt nur Englisch lernten. Unser Kind konnte aber schon Englisch…

Also blieben wir weiter auf alternativen Schulwegen.

Nun ist es natürlich so, dass in den USA überhaupt niemand in irgendeine Schule gehen muss, denn es besteht ja keine Schulpflicht. Man darf mit seinem Kind auch “Home School” machen. Habe ich auch sogar mal zwischendurch gemacht, als meine Sohn dann mittlerweile in der 3. Klasse war, und seine Schule sich plötzlich auflöste…

Sowas ist für ein so junges Land wie Kalifornien nicht ungewöhnlich. Vieles wird ausprobiert und wieder fallengelassen. Es gibt dort nicht die Traditionen, wie wir sie kennen. Schulen werden gegründet und zerfallen halt machmal nach Kurzem wieder.

Unsere Tochter wurde dann auch älter und schwups hatten wir zwei Kinder in einer Private School.

Ich mag gar nicht sagen, was das kostet.

Um es nun kurz zu machen: Ihr seht, das Schulding wurde irgendwie kompliziert, teuer, zermürbend und eine gute, langfristige Perspektive fehlte. Wir hätten umziehen können, um in einen anderen Schooldistrict zu kommen, aber letztendlich hatte ich auch von Schulbildung eine bestimmte Vorstellung und war mir nicht mehr sicher, ob wir das überhaupt so finden würden.

Ich erwischte mich immer öfter dabei, wie ich von der Tradition und Zuverlässigkeit der Schulen unserer früheren Heimatstadt  träumte. Schulen, die es schon teilweise seit mehreren hundert Jahren gibt. Dazu kam, dass unsere Eltern älter wurden und uns brauchten und noch ein paar andere Dinge.

Irgendwann war klar: Wir gehen zurück. Und ich bin immer noch der Meinung, dass diese Entscheidung für uns richtig war.

Und hey - Sonne ist nicht alles! ;)

3.) Da wir in den kommenden Jahren sicherlich noch einmal einen California-Roadtrip machen werden, kann ich mir eine Frage natürlich nicht verkneifen:

Was sind Deine persönlichen Must-Sees und Must-Dos dort? Ich schreibe das dann schon mal auf meine Bucket List. 

Ha Ha - DU hast vermutlich schon viel mehr von Kalifornien gesehen, als ich in 10 Jahren!

Ich beneide Dich sehr um Deine reiselustige Familie. Bei uns bin leider nur ich mit dem Virus infiziert - mein Mann und unsere Kinder sind am liebsten zu Hause. Und Roadtrips kommen schon mal gar nicht in die Tüte.

Ausser ein bisschen das übliche Touriprogramm aus dem Reiseführer habe ich also auch nicht viel vom Land gesehen.

Immerhin konnte ich einen jährlichen Badeurlaub auf Hawaii oder in Mexico durchsetzen.

In Santa Barbara sind zwar auch wunderbare Strände, aber das Wasser ist einfach eiskalt. Ohne Neoprenanzug ist  das Meer eigentlich nur im August und September erträglich und auch dann ist das Wasser nicht wärmer, als die Nordsee. Überhaupt denken ja viele, in Kalifornien sei es sehr heiß.

Das ist im Innland auch der Fall, aber an der Küste kann es sogar im Sommer durch den kalten Pazifik sehr frisch sein. Laue Sommernächte, wie wir sie hier in Deutschland kennen, gibt es z.B. in Santa Barbara so gut wie nie. Ich war mal im Juni in San Francisco. Mit Winterjacke! Durch den berühmt-berüchtigten “June Gloom” kann es echt empfindlich kalt sein.

Aber auf Hawaii sind Wetter und Wassertemperatur natürlich fantastisch. Ich kann jede der Inseln empfehlen - sie sind alle unterschiedlich und alle toll. Kawaii ist die älteste Insel der Kette; sehr grün und mit diesen irren Jurassic Park Formationen. Big Island ist vergleichsweise big und jung zu den anderen Inseln. Hier ist die Lava überall präsent und es gibt nur wenige, gute Strände. Dafür kann man über dampfende Lavawüsten wandern und am Kraterrand stehen. Das ist wie am Puls der Erde zu stehen. Mega!

Sogar auf Oahu, der Hauptinsel, ist es toll, wenn man nicht gerade in Honolulu/Waikiki Beach absteigt. Das ist einfach nur eine große Stadt mit dem berühmten Strand davor. So ein bisschen Ballermann am Pazifik. Aber man ist schnell raus aus der Stadt und dann ist Oahu sehr vielfältig und es gibt schöne Strände zu entdecken. Unsere Lieblinge hier: Kailua Beach und die berühmten Surfstrände an der North Shore. Hawaiis Strände entsprechen generell nicht unbedingt unserer Südseeromantik. Häufig liegt man dort zwar in wunderbar weißem Sand, aber nicht unter Palmen.  Dafür muss man dann doch noch ein Stückchen weiter in den Südpazifik fliegen…

Am häufigsten waren wir auf Maui, da uns dort das Baden und Schnorcheln mit Kindern am besten gefällt und diese Insel auch sehr vielfältig, aber nicht zu groß ist. Man kann tolle Ausflüge zum Vulkan machen oder auf wilden Strassen in abgelegene Orte fahren. Alles immer mit diesem super relaxten, coolen Surfer-Inselfeeling. Gute Buchten zum Planschen und Schnorcheln sind hier die Kapalua Bay im Norden oder um Waimea Beach im Süden. Tolles Schnorcheln ohne Strand im Süden gibt es in der La Perouse Bay. 

Auf Hawaii isst man natürlich Poke! Das sind rohe, marinierte Tunfischstückchen. Sehr lecker! Und natürlich die Früchte, die dort wachsen: Ananas, Mango, Papaya…hach!

In Santa Barbara darf man einen Sonnenuntergang am Hendry’s Beach (offiziell: Arroyo Burro Beach) nicht verpassen. Vorher holt man sich dafür ein paar Leckereien vom Lieblingssupermarkt Lazy Acres. Natürlich gibt es auch viele, gute Restaurants. Zum Beispiel Cajun Cuisine im Palace Grill oder authentisches Mexican Food in der La Super-Rica Taqueria. Amazing ist auch ein Weekend Brunch im Biltmore in Montecito mit anschließendem Besuch des Butterfly Beaches, der direkt vor diesem Hotel liegt.

Eine ganz tolle kleine Wanderung oberhalb von Santa Barbara ist Lizard’s Mouth. Klasse Felsen zum Klettern und ein Rundblick auf Santa Barbara und den Pazifik.

Und den in vielen Reiseführern erwähnten Moreton Bay Fig Tree MUSS man tatsächlich gesehen haben.

Liebe Nic - ganz lieben Dank für Deine Einladung zum Quatschen - hat mich sehr gefreut!

East beach Santa Barbara by lebenslustiger.com

(East Beach in Santa Barbara, Kalifornien)

Und die liebe Joanna von Liebesbotschaft? Die fliegt heute für ein paar Monate nach Kalifornien.

Um unser altes Auto zu besuchen und zu bewegen :)

Nein, Quatsch - nicht nur... Aber warum und wieso sie mit Ihren Kindern dort ist, könnt Ihr hier auf ihrem Blog lesen.

Ich bin sehr gespannt, was bei Ihr daraus wird - wir wollten ursprünglich auch nur 2 Jahre bleiben...daraus sind dann schwups mal eben 10 Jahre geworden.

Happy Day,

Anette